Montags, 18.00 Uhr, Magdeburg....Allwetterhaft.
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In Magdeburg gibt es derzeit nur ein Thema: HartzIV und die Montagsdemos.
Die Welt teilt sich sauber, jedenfalls in Magdeburg. Da sind jene, die arbeiten wollen und keine Arbeit bekommen und dann gibt es jene, die nicht arbeiten wollen und auch keine Arbeit bekommen. Die einen demonstrieren laut, die anderen leiser. Dann gibt es da noch die Linken und die Rechten. Die einen machen Lärm, die anderen marschieren ordentlich. Auch sind da Wüteriche und Aufpasser – hübsch sortiert. Nach oben und Unten fragt keiner, manchmal nach unten und tiefer. Tiefer stapeln geht aber nicht, darum legt man die Meßlatte besonders hoch: Für mehr Arbeit! Selten fordert jemand ein menschenwürdiges Leben, noch seltener mehr Geld. Das wir das nicht verdient haben, egal ob arbeitslos oder nicht, dass wissen wir schon. Wir wollen nur „Mehr Arbeit!“. Ist wegen dem Gürtel und so. Da ist noch ein Loch, das passt schon. Schlank ist in. Wir müssen raus aus dem staatlichen Schuldenberg, weg von der Generationenverantwortung für diese Politik, diese verfluchte Wirtschaftsflaute.
Wir möchten gern die Suppe allein auslöffeln, mit Messer und Gabel, wie es sich gehört. Vielleicht: Schuldenfrei und Spaß dabei. Bis dahin demonstrieren aber noch einige, da bin ich mir sicher: „Für mehr Arbeit!“ – manchmal für mehr Leben. Dass „HartzIV“ trotz allem kommt, wissen die meisten, sagen es aber nicht: das würde weh tun. Wäre ja dann alles umsonst und das wäre schade. Vielleicht bleibt aber was über, von der Wut auf die „Bonzen“ und von all der Erkenntnis, die es montags umsonst gibt: Flugblätter sammeln, mein neues Hobby. Was da nicht alles gefordert wird: „Neue Solidarität“, „Mehr Demokratie“, „Weniger Ausländer!“, „Weg mit Schröder!“ und „Cafe to go“ und all das, was glücklich machen soll. Natürlich auch immer „Mehr Arbeit!“. Dann hören die Texte auf, eine Fortsetzung gibt es nicht. Das mit dem Kaffee hätte mich interessiert. Wohin kann man den mitnehmen und warum? Da frage ich mal. Frauen demonstrieren, Kinder auch, Omas und Opas. Die meisten laufen ohne Kaffe, aber alle schimpfen. Am meisten schimpfen die Männer, die haben das geübt. Viele Männer, kleine, dicke, dünne, arme und reiche, alt und junge und alle schimpfen, auf diese Regierung, auf Schröder, auf Parteien und Gewerkschaften. Alle rufen irgendwas – Rufen vereint. Das ist wenigstens was. Neuerdings rufen auch welche: „Erst die Arbeit, dann HartzIV“ – das verstehe ich nicht. HartzIV macht nur ohne Arbeit Sinn, ansonsten wäre es überflüssig. Außer natürlich man glaubt, die wollen wirklich nicht, die Arbeitslosen. Erst durch die absolute Unmöglichkeit, jeden der zukünftigen Leistungsbezieher wirklich von staatlichen Leistungen unabhängig zu machen, bekommen hartzsche Sanktionen und repressive Pädagogik den Spareffekt, der erwünscht und errechnet ist. Manchmal versuche ich zu erklären und höre dann, vom faulen Pack, in Berlin und anderswo. Dort wird aber hastig gearbeitet: Auszahldaten und Kindersparbüchern sind Heftpflaster für wundgelaufene Wüteriche. Die Wüteriche sind an Verpflasterung nicht interessiert. Freigrenzen interessieren hier keinen, auch Auszahldaten nicht. Was interessiert ist Arbeit, fast zu jedem Preis. Leider. Dafür trennt man dann schon mal die Welt, in jene, die Arbeit wollen und keine Arbeit bekommen, und jene, die keine Arbeit wollen und auch keine bekommen. Vielleicht hilft das ja, gegen was auch immer. Gegen staatlichen Sozialrassimus demonstriert hier keiner. Noch nicht.